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Erstes Konzert
No. 1205 der Gesamtreihe
Dienstag, 25.09.2012, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

Aperto Piano Quartett

Gernot Süsmuth, Violine
Stefan Fehlandt, Viola
Hans-Jakob Eschenburg, Violoncello
Frank-Immo Zichner, Klavier
 
Wolfgang Amadeus Mozart
(1756–1791)
Klavierquartett Nr. 1 g-Moll KV 478
Allegro
Andante
Rondo: Allegro moderato

Pause

 
Antonín Dvorak
(1841 –1904)
Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur op. 87
Allegro con fuoco
Lento
Allegro moderato grazioso
Finale: Allegro ma non troppo
 
Gabriel Fauré
(1845–1924)
Klavierquartett Nr. 1 c-Moll op. 15
Allegro molto moderato
Scherzo: Allegro vivo
Adagio
Finale: Allegro molto


Lesen Sie weiter Notizen über die Werke und über das Aperto Piano Quartett.


Werke des musikalischen Aufbruchs

1. Mozart, Klavierquartett Nr. 1 g-moll, KV 478

Mozart hatte 1785 gerade seine sechs, seinem Lehrer Joseph Haydn gewidmeten Streich-quartette über den Verlag „Artaria“ veröffentlicht und arbeitete an der „Hochzeit des Figaro“, als er sich auf Anregung von Franz Anton Hoffmeister, Logenbruder, Musik-Verleger und selbst Komponist, einem damals wenig beachteten Kammermusik-Genre zuwandte, dem Klavierquartett. Diese Musik war nicht nur avantgardistisch, sondern insbesondere im Klavierpart so mit technischen Schwierigkeiten gespickt, dass es sowohl vom zuhörenden Publikum als auch von ausführenden Musikern nur sehr zurückhaltend aufgenommen wurde. Im Weimarer „Journal des Luxus und der Moden“ konnte man noch 1788 lesen:

„Manches andre Stück soutenirt sich noch auch bey einem mittelmäßigen Vortrage; dieses Mozartische Produkt aber ist würklich kaum anzuhören, wenn es unter mittelmäßige Dilettanten-Hände fällt und vernachläßiget vorgetragen wird.“

Hoffmeister weigerte sich dann, Mozarts zweites Klavierquartett (Es-Dur, KV 493) herauszugeben und verkaufte die wenigen schon hergestellten Druckplatten an Artaria, die mit diesem Werk aber auch keinen Verkaufserfolg hatten, so dass es – aus unserer heutigen Sicht bedauerlicherweise – bei diesen beiden Klavierquartetten Mozarts geblieben ist. Kunst und Kommerz hingen eben schon damals eng zusammen.

Die Bedeutung der Moll-Tonarten für Mozart wird immer wieder hervorgehoben. Es sei nur an sein Streichquartett d-moll, KV 421 oder die „große“ g-Moll-Sinfonie erinnert. Das Span-nungsverhältnis zwischen großem Gestus und jedenfalls angedeuteter Resignation ist in allen diesen Werken zu spüren und verdient die besondere Aufmerksamkeit des Zuhörers.

2. Dvořak, Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur op. 87

Auch Dvořak wurde von einem Verleger gebeten, ein Klavierquartett zu komponieren: Von Fritz Simrock. Das Klavierquartett hatte sich inzwischen zu einer eigenen, anspruchsvollen kammermusikalischen Gattung entwickelt und Simrocks Anregung traf 1889 Dvořak in einer Art Schaffensrausch:

„Mein Kopf ist so voll, wenn der Mensch doch alles gleich aufschreiben könnte. […] Es geht unerwartet leicht, und die Melodien strömen mir nur so zu. Gott vergelt’s!“

Mit der Wahl der Tonart Es-Dur knüpft Dvořak an große Vorbilder an: Mozarts 2. Klavierquartett und Schumanns Klavierquartett – und noch mehr: Die zweiteilige Themenstruktur des Anfangs des Kopfsatzes mit zunächst dem kräftigen Unisono und dann der rhythmisch aufgelösten Antwort des Solo-Klaviers ist dem Beginn von Mozarts g -Moll-Klavierquartett nachempfunden, wovon wir uns heute Abend überzeugen können.

Das Werk überrascht im Übrigen durch kühne Tonartwechsel und pendelt ständig zwischen Dur und Moll. Schon im ersten Takt scheint die vierte Note ein „falscher Ton“ zu sein – hätte man doch anstelle des erklingenden „h“ eher das tonartgerechte „b“ erwartet. Überhaupt wird - jedenfalls in den Ecksätzen – nicht mehr das tonale Prinzip der Sonatensatzform be-achtet, vielmehr wird die Musik von einem neuen Formgedanken getragen: Auch Dvořak war ein Wegbereiter der Musik des 20. Jahrhunderts.

3. Fauré, Klavierquartett Nr. 1 c-moll op. 15

Gabriel Fauré, ein Schüler von Camille Saint-Saens und Lehrer von Maurice Ravel, war ausgebildeter Organist und Pianist, was der Grund dafür ist, dass – mit Ausnahme seines letzten Kammermusikwerkes, seines 1927 geschriebenen Streichquartetts – alle seine Kammermusik-Kompositionen das Klavier mit einbeziehen. Sein erstes Klavierquartett, komponiert zwischen 1876 und 1879 (und 1883 letztmalig überarbeitet) gehörte seinerzeit zu den meist gespielten Kammermusikwerken. Fauré hatte kurz vorher Wagner besucht, war aber von dessen Musik nicht übermäßig beeindruckt und daher – im Gegensatz zu César Franck oder d’Indy – auch nicht von ihm beeinflusst.

Dagegen ist der Einfluss von Brahms auf dieses Werk ist – bei aller kompositorischen Selb-ständigkeit – unüberhörbar. Gleichwohl besticht die Musik durch ihre typisch französische Klarheit und Poetik. Insbesondere der 2. Satz – ein Scherzo – belegt die kompositorische Selbständigkeit von Fauré: Eine Verbindung/Vermischung von Marsch und Walzer!

Der Einfluss von Fauré auf die Musik des Übergangs zum 20. Jahrhundert ist sicherlich auch damit begründet, dass er Direktor des Pariser Conservatoriums wurde. Seine Musik nimmt eine alles verbindende Zwischenstellung ein zwischen überkommenen romantischen Strukturen und der Musik von Debussy und Strawinsky.

Zusammenfassend lässt sich zu unserem heutigen Konzert also sagen: Wir hören drei Werke des musikalischen Aufbruches!

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Aperto Piano Quartett

Was bewegt vier Musiker, die bereits auf ein bedeutendes künstlerisches Schaffen verweisen können, ein Klavierquartett zu gründen? Es ist das faszinierende Spektrum der Kompositionen für diese Gattung, aber auch die Erfahrungen als Kammermusikinterpreten mit Auftritten auf den bedeutendsten Podien der Welt, darunter Carnegie Hall (New York), Concertgebouw (Amsterdam),Gewandhaus (Leipzig), Suntory Hall (Tokio), Konzerthaus und Philharmonie Berlin.

Gernot Süßmuth (Violine) und Hans-Jakob Eschenburg (Violoncello) sind die Gründungsmitglieder des Petersen-Quartetts, in dem sie fast 20 Jahre musizierten und durch zahlreiche Aufnahmen und Konzerte die Kammermusikwelt begeisterten. Als Bratschist gesellte sich Stefan Fehlandt hinzu, der seiner Kammermusikleidenschaft auch im Vogler- Quartett nachgeht. Mit Frank-Immo Zichner (Klavier), der mit dem Vogler-, dem Petersen- und dem Leipziger Streichquartett musizierte und auch als Solopianist Karrieremachte, ist das Aperto Piano Quartett zu einem Ensemble geworden, das sich durch »kultivierte Klanglichkeit und sensibles Zusammenspiel« (FAZ) auszeichnet.

Ihre Ausbildung erhielten die vier an der Berliner Hochschule für Musik »Hanns Eisler«.Wichtige Förderer wurden Menahem Pressler (Beaux Arts Trio), György Kurtág und Norbert Brainin (Amadeus Quartett). Zum Repertoire des Aperto Piano Quartetts gehören heute u.a. alle Klavierquartette von Mozart, Beethoven, Brahms, Schumann, Fauré und Reger sowie Kompositionen von Dvořák, Mahler und Schnittke. Das Aperto Piano Quartett sorgt sich um die Entstehung von neuen Werken und erteilte Kompositionsaufträge an Komponisten unserer Zeit wie Juliane Klein, Christian Jost, Elena Mendoza und Krzystof Meyer. Dem Vergessen entrissen haben die vier auch die polnischen Komponisten Simon Laks und Konstantin Regamey durch Einspielungen für das Deutschland Radio.

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