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Zweites Konzert
No. 1206 der Gesamtreihe
Dienstag, 30.10.2012, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

Klenke Quartett

Annegret Klenke, Violine
Beate Hartmann, Violine
Yvonne Uhlemann, Viola
Ruth Kaltenhäuser, Violoncello

Vogler Quartett

Tim Vogler, Violine
Frank Reinecke, Violine
Stefan Fehlandt, Viola
Stephan Forck, Violoncello
 
Richard Strauss
(1864–1949)
Sextett aus »Capriccio«
Vogler Quartett, Y.Uhlemann, R. Kaltenhäuser
 
Ralph Vaughan Williams
(1872–1958)
Nocturne und Scherzo für Streichquintett
Klenke Quartett, S. Fehlandt
 
Anton Arenskij
(1861–1906)
Quartett für Violine,Viola und zwei Violoncelli a-Moll op. 35
Vogler Quartett, R. Kaltenhäuser
1. Moderato
2. Variationen zu einem Thema Tschaikowskijs:
Moderato
Var. 1 Un poco piu mosso
Var. 2 Allegro non troppo
Var. 3 Andantino tranquillo
Var. 4 Vivace
Var. 5 Andante
Var. 6 Allegro con spirito
Var. 7 Andante con moto
Coda Moderato
3. Finale: Andante sostenuto – Allegro moderato
 
Pause
 
Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809–1847)
Oktett für vier Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli Es-Dur op. 20
Allegro moderato ma con fuoco
Andante
Scherzo: Allegro leggierissimo
Presto


Lesen Sie weiter Notizen über die Werke und über die Musiker.


Komponisten und Werke


Richard Strauss, Sextett aus der Oper „Capriccio“

Ein Streichsextett als Vorspiel zu einer Oper, die für ein volles Orchester geschrieben wurde, ist höchst ungewöhnlich. Strauss will uns damit wohl in die höfische Welt des Rokoko zurückversetzen, in der seine Oper „Capriccio“ spielt, mag auch diese Musik mehr nach Strauss als nach Rokoko klingen. Zwar geht es in dieser Oper im Kern um die Frage, welcher Kunst im Musiktheater der Vorrang gebührt, der Dichtung (le parole) oder der Musik. Im Vorspiel jedoch ist es allein dem Komponisten Flamand vorbehalten, das Herz der Gräfin Madeleine mit seiner Musik zur Feier ihres Geburtstags zu betören. Sein Widersacher, der Dichter Olivier, kommt hier nicht zu Wort. Der Wohlklang der weit ausschwingenden Kantilene wird nur in einem unruhigen Mittelteil kurz gestört. Es ist, als würden die Schatten der französischen Revolution oder des Kriegsjahrs 1942 aufziehen, in dem „Capriccio“ vollendet und in München uraufgeführt wurde. Doch nach nur wenigen Takten müssen sie wieder apollinischer Harmonie und Grazie weichen.

Ralph Vaughan Williams, Nocturne und Scherzo

Unter den englischen Komponisten des 20.Jahrhunderts hat Vaughan Williams neben Elgar und Britten eine herausragende Stellung. Dass er trotz seines umfangreichen Oeuvre, das neben 9 Sinfonien, Chorwerken, Opern und Ballettmusik auch Musik zu zahlreichen Filmen umfasst, hierzulande weniger bekannt ist, mag damit zusammenhängen, dass er sich nicht nur intensiv mit englischen Volksliedern und der Musik der englischen Renaissance beschäftigt hat, sondern diese auch in sein Schaffen einfließen lässt. Das gilt insbesondere für seine Kammermusikwerke. Hier sei beispielhaft das „Phantasy Quintet“ für Streichquintett erwähnt, das auf Traditionen des elisabethanischen Zeitalters zurückgreift.

Für die gleiche Besetzung, d.h. 2 Violinen, 2 Bratschen und Cello, hat Vaughan Williams auch die beiden bereits 1904 entstandenen, mit „Nocturne“ und „Scherzo“ überschriebenen kurzen Sätze komponiert. Das Scherzo basiert, wie kann es bei diesem Komponisten anders sein, auf einem englischen Volkslied. Doch nur, wer genau hinhört, wird dieses im Flimmern und den Pizzicati der Streicher heraushören können. Noch typischer für den Kompositionsstil und Klang von Vaughan Williams’ Musik ist das ruhig fließende Nocturne, das eher in einen Sakralraum oder das vom Studenten Vaughan Williams besuchte ehrwürdige Trinity College in Cambridge als in einen Konzertsaal zu passen scheint und damit einen merklichen Kontrast zum nachfolgenden Scherzo bildet.

Anton Arenskij, Quartett Nr. 2 a-Moll op.35

Auch die Werke des russischen Komponisten Arenskij dürften in Deutschland nur wenigen Freunden der Kammermusik bekannt sein. Arenskij war Schüler von Rimski-Korsakow am St. Petersburger Konservatorium und wurde schon in jungen Jahren als Lehrer für Komposition an das Moskauer Konservatorium berufen. Zu seinen dortigen Schülern gehörten Rachmaninow und Skrjabin. Das Ende seines kurzen Lebens war überschattet von Krankheit, Trunk- und Spielsucht.

Stark war der Einfluss seines wesentlich älteren und bereits arrivierten Kollegen und Freundes Tchaikowskij auf sein Schaffen. Auch fühlte sich Arenskij von Chopin und den deutschen Romantikern angezogen, so dass trotz der Verwendung russischer Volkslieder seine Werke weder typisch russisch klingen noch sich ein ausgeprägt individueller Stil erkennen lässt. Man mag ihn des Eklektizismus zeihen. Das Verdikt seines Lehrers Rimski-Korsakow, er werde wohl bald vergessen sein, hat sich wegen der hohen Qualität vieler seiner Werke jedoch nicht bewahrheitet. Auch erfahrene Musikpädagogen können bei der Einschätzung des Talents ihrer Schüler irren.

Die Besetzung des 2. Streichquartetts aus dem Jahr 1894 ist mit einem 2. Cello anstelle der 2. Violine außergewöhnlich in der Quartettliteratur. Der 3-sätzige Aufbau des Quartetts entspricht ebenfalls nicht der Tradition. Es dominiert der Mittelsatz mit 7 Variationen und Coda über ein Thema von Tschaikowskij (es entstammt der Nr. 5 der 16 Kinderlieder opus 54), ist doch das Werk seinem 1893 verstorbenen Freunde gewidmet. Als opus 35a hat Arenskij diesen Variationensatz später auch für Streichorchester bearbeitet.

Das Thema des ersten Satzes greift auf einen alten russischen Kirchengesang zurück. Das 2. Cello ermöglicht hier die passende Bassgrundierung. Dieses Thema erscheint später noch einmal in der Coda des Variationensatzes und verbindet sich mit Tschaikowskijs schlichtem Lied „Als noch ein Kind war Jesus Christ“.

Im Schlusssatz erklingt nach einer getragenen Einleitung die russische Krönungshymne, die Liebhabern der Kammermusik aus dem Allegretto von Beethovens Streichquartett opus 59 Nr. 2 wohlbekannt ist. Im Gegensatz zu Beethoven, der seinem russischen Auftraggeber Graf Rasumowski mit diesem heimatlichen Thema eine dezente Aufwartung macht, wählt Arenskij die Fugenform und unterstreicht damit die patriotische und heroische Note dieser Hymne.

Felix Mendelssohn-Bartholdi, Oktett Es-Dur opus 20

Das berühmte Oktett stammt aus dem Jahr 1825 und ist das Meisterwerk eines 16-Jährigen. Auch wenn der junge Komponist in seiner Partitur vermerkte: „Dieses Oktett muss von allen Instrumenten im Style eines symphonischen Orchester- werks gespielt werden“ gehört es doch wegen seiner farblichen Transparenz und überquellenden Melodik in den Bereich der Kammermusik.

Im Aufbau und der al fresco-artigen Behandlung konträrer Themen orientiert sich Mendelssohn eher am Vorbild Mozarts als am Kompositionsstil Beethovens. Dies gilt insbesondere für die beiden Ecksätze. Im Kopfsatz kontrastiert das drängende, aus gebrochenen Dreiklängen bestehende Hauptthema mit einem lyrischen, in Sekundengängen wiegenden Seitenthema. Im 2. Satz versucht Mendelssohn erstmals das Modell der Sonatenform auf einen langsamen Satz anzuwenden, strafft dabei allerdings die Durchführung und verzichtet in der Reprise auf das Hauptthema. Im Scherzo klingt bereits der Elfenspuk aus der Musik zum „Sommernachtstraum“ an. Hierzu soll den Komponisten die Walpurgisnacht in Goethes Faust I inspiriert haben. Analog zum Kopfsatz wird auch im Finalsatz eine Fülle von Themen vorgestellt. Doch statt der Rondoform bedient sich der Komponist dabei eines Fugato, aus dem sich im Verlauf des Satzes eine Art perpetuum mobile entwickelt. Kurz taucht noch einmal das Thema aus dem Scherzo auf, bevor die Violinen mit einem neuen Einfall die prägnante und temperamentvolle Coda eröffnen.

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Aufführende

Das Klenke Quartett

Während ihres Studiums an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar gründeten die vier Musikerinnen vor 18 Jahren das Klenke Quartett. Künstlerisch begleitet wurden sie von Norbert Brainin (Amadeus Quartett), Ulrich Beetz (AbeggTrio), Harald Schoneweg (Cherubini Quartett) und Sándor Devich (Bartók Quartett). Auftritte und Konzertreisen führten sie zu den wichtigsten deutschen Festspielen, in alle europäischen Staaten und nach Lateinamerika. Die Einspielungen der Mozart- Quartette oder Haydns »Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuze« wurden mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet. Die europäische Erstaufführung von »The Rave and the Nightingale« des 1968 geborenen Australiers Matthew Hindson durch das Klenke Quartett 2008 in Jena wurde von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert. Mit großem Erfolg leiten die vier Musikerinnen seit 2003 eine eigene Konzertreihe »Auftakt« im Goethe-Nationalmuseum in Weimar.

Das Vogler Quartett

spielt schon seit 1985 in unveränderter Besetzung. 1986 erhielten die vier gleich mehrere Preise im französischen Evian. Als Nachfolger des Melos-Quartetts erhielt das Vogler Quartett den Lehrstuhl für Kammermusik der Musikhochschule Stuttgart und gehört heute zu den Spitzenformationen der Kammermusik.

Das Repertoire des Vogler Quartetts umfasst sowohl die klassische Quartettliteratur von Haydn bis Bartók und der Zweiten Wiener Schule als auch weniger bekannte und ganz neue Werke und erreicht dadurch eine ungewöhnliche Breite. So gehören zum Repertoire Werke von Karl Amadeus Hartmann, Morton Feldman, Wolfgang Rihm, Frank Michael Beyer, Ian Wilson, Jörg Widmann, Mauricio Kagel und Erhard Grosskopf. Eigene Konzertreihen am Konzerthaus Berlin, im irischen Sligo, seit 2002 die Kammermusiktage Homburg/Saar sowie die Nordhessischen Kindermusiktage in Kassel zeigen das Engagement des Vogler Quartetts. Weltweit hält das Ensemble Meisterkurse ab.

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