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Viertes Konzert
No. 1208 der Gesamtreihe
Dienstag, 22.1.2013, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

Wihan Quartett

Leos Cepicky, Violine
Jan Schulmeister, Violine
Jiri Zigmund, Viola
Ales Kasprik, Violoncello

Eugen Prochak

Violoncello
 
Hugo Wolf
(1860-1903)
Italienische Serenade für Streichquartett
Molto vivo
 
Johannes Brahms
(1833–1897)
Streichquartett Nr. 2 a-Moll op. 51/2
Allegro non troppo
Andante moderato
Quasi Minuetto, moderato – Allegretto vivace
Finale: Allegro non assai
 
Pause
 
Franz Schubert
(1797-1828)
Quintett für 2 Violinen,Viola und 2 Violoncelli C-Dur D 956
Allegro ma non troppo
Adagio
Scherzo: Presto – Trio: Andante sostenuto
Allegretto


Komponisten und Werke

Im ersten Teil des heutigen Konzertes hören wir Werke von Komponisten, deren Lebensdaten für uns im laufenden Jahr miteinander verwoben sind: Hugo Wolf starb vor 110 Jahren, Johannes Brahms wurde vor 180 Jahren geboren. Aber auch zu Lebzeiten "verband" diese beiden Komponisten etwas Besonderes: Der junge Wolf hatte Brahms einige seiner Lieder zur Begutachtung vorgelegt, was Brahms zu dem wohlmeinenden Rat veranlasste, er müsse "erst einmal tüchtig etwas lernen". Dass hieraus keine Freundschaft entstehen konnte, versteht sich von selbst – auch unabhängig davon, dass Wolf Wagnerianer war und daher die Musik eines Brahms ablehnte. Als Musikkritiker des "Wiener Salonblattes" schrieb er: "Die Kunst, ohne Einfälle zu komponieren, hat entschieden in Brahms ihren würdigsten Vertreter gefunden. Ganz wie der liebe Gott versteht auch Herr Brahms sich auf das Kunststück, aus nichts etwas zu machen."

Die Verbindung von Hugo Wolf und Franz Schubert ist dagegen eine andere: Beide starben in jungen Jahren und komponierten im Bewusstsein ihrer fortschreitenden Krankheiten, und beide verbündet ihre bedeutende Rolle als Liederkomponisten – Wolf wird auch als "zweiter österreichischer Liederfürst" nach Schubert bezeichnet.

Zu den wenigen Kompositionen Hugo Wolfs, die nicht Liedkompositionen sind, gehört die "Italienische Serenade". Entgegen seiner ursprünglichen Absicht hat er sie nur als einsätziges Werk komponiert – sie ist häufig auch in der Orchesterfassung zu hören. In der zuerst entstandenen Streichquartett-Fassung kommen die sehr abwechslungsreiche Linienführung der vier Stimmen und damit die für eine Serenade untypische Rondoform besonders gut zur Geltung.

Anders als Hugo Wolf hat Arnold Schönberg Brahms‘ Kompositionstechnik als wegweisend bezeichnet: Er sei ein großer Neuerer der musikalischen Sprache gewesen, auch wenn viele „eingefleischte Alt-Wagnerianer“ dies nicht so sahen. Brahms‘ Ringen mit und um die musikalische Form wird insbesondere bei seinen Streichquartetten deutlich: Erst mit 40 Jahren veröffentlichte er die beiden Werke zu op. 51, nachdem er wohl bis zu 20 "Versuche" abgebrochen und die Texte vernichtet hatte. Die Quartette op. 51 sind seinem Freund Theodor Billroth, einem Wiener Chirurgen, gewidmet. Man darf wohl unterstellen, dass jedenfalls das heute zu hörende Quartett im a-moll ursprünglich seinem Freund Joseph Joachim, dem berühmten Geiger, gewidmet werden sollte, zitiert doch das Kopfthema des 1. Satzes Joachims Lebensmotto "frei aber einsam" mit der Tonfolge f-a-e. Es war zu diesem Zeitpunkt aber zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden gekommen. Das a-moll-Quartett wird allgemein als lyrisches Gegenstück zum c-moll-Quartett (op. 51 Nr. 1) empfunden. Es wirkt heiterer und unbeschwerter.

Schuberts Streichquintett entstand in seinem Todesjahr und wurde erst 22 Jahre später erstmalig aufgeführt, nachdem man zufällig die Partitur gefunden hatte. Das Werk gehört zu den bedeutendsten und berührendsten Kompositionen der Kammermusikgeschichte und bedarf deshalb keiner besonderen Einführung. Es ist das "Spätwerk" eines "Frühvollendeten" (er starb mit 31 Jahren!) - Begriffe, die beim Anhören dieser Musik ihre völlig eigene Bedeutung erhalten.

Wihan Quartett

Das Wihan Quartett, gegründet im Jahre 1985, genießt eine hervorragende internationale Reputation für die Interpretation tschechischer Werke und der vielen klassischen, romantischen und modernen Meisterwerke aus dem Streichquartett-Repertoire.

Gemeinsam haben die vier Musiker in 25 Jahren eine beeindruckende internationale Karriere erreicht, mit regelmäßigen Auftritten auf den britischen Inseln sowie auf den größten Festivals in Europa und im Fernen Osten. Sie besuchen die USA, Australien, Neuseeland und Japan regelmäßig und wurden bei Tourneen durch Australien und Neuseeland groß gefeiert. Das Wihan Quartett gewann viele internationale Wettbewerbe, darunter den »Prager Frühling«, die »Kammer Festa« in Osaka und mehrere Preise.

Zu den jüngsten Aufnahmen des Quartetts gehören Einspielungen der Quartette von Beethoven, Smetana und Schubert.

Eugen Prochác

studierte in Bratislava und an der Musik- und Theater-Akademie in Prag bei Josef Chuchro, später bei Daniil Shafran, Erling Blöndal Bengtsson, Mikhail Khomitser und Angelika May. Als Student gewann er zweimal den Wettbewerb des slowakischen Conservatoriums, außerdem1983 den Interpretations-Wettbewerb der Slowakei und den internationalen Wettbewerb »Premio Valentino Bucchi 1990« in Rom. Konzert-Tourneen führten ihn an viele europäische Musikzentren sowie nach Kanada, Japan, Argentinien und in viele andere Länder. Eugen Prochác unterrichtete in Bratislava und in Lissabon, außerdem gibt er Meisterklassen in Portugal, Thailand, Indonesien und der Tschechischen Republik. Seit 2006 leitet er die von ihm gegründeten internationalen Sommerklassen in Stiavnica.


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