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Sechstes Konzert
No. 1210 der Gesamtreihe
Dienstag, 30.4.2013, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

Haydn-Ensemble
des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden

Erika Le Roux, Klavier
Thomas Richter, Flöte
Karl-Heinz Schultz, Violine
Svantje Wolf, Violine
Thomas Hoffmann, Viola
Pamela Kremer, Viola
Tobias Galler, Violoncello

 
Joseph Haydn
(1732-1809)
arr. Johann Peter Salomon
( 1745– 1815)
Sinfonie G-Dur Nr. 94 »Mit dem Paukenschlag« für Flöte, Streichquartett und Klavier
Adagio cantabile – Vivace assai
Andante
Menuetto, Allegro molto
Finale, Allegro molto
 
Wolfgang Amadeus Mozart
(1756–1791)
arr. Carl Czerny
(1791– 1857)
Konzert d-moll für Klavier und Orchester KV 466
Fassung für Klavier mit Begleitung von Flöte, Violine, zwei Violen und Violoncello
 
Pause
 
Johannes Brahms
(1833-1897)
Klavierquartett A-Dur op. 26
Allegro non troppo
Poco Adagio
Scherzo: Poco Allegro
Finale: Allegro



Programmnotizen

Die Grenzen zwischen den Gattungen Kammer- und Orchestermusik sind fließend; sie lassen sich keineswegs allein aus der Anzahl der beteiligten Instrumente definieren. Dies macht vor allem der 1. Teil des heutigen Programms mit den Arrangements zweier aus den großen Konzertsälen bekannter Werke deutlich.
In der Musik versteht man unter einem Arrangement die Umsetzung einer Komposition in eine andere Ausführungsgestalt, insbesondere ihre Instrumentierung. Meist handelt es sich dabei um eine wesentliche Klangerweiterung, wie sie für die heutige U-Musik typisch ist, sich aber auch am Beispiel von Ravels Orchestrierung von Mussorgskijs Klavierwerk „Bilder einer Aus stellung“ zeigen lässt. Eine ältere Form des Arrangements ist die Transkription. Hier wird ein bereits auskomponiertes und für eine bestimmte Besetzung geschriebenes Musikstück für ein oder mehrere Instrumente umgeschrieben, häufig in der Absicht, den Klangcharakter des Stücks zu verändern oder um das Repertoire für ein Instrument zu erweitern.
Der Bearbeitung eines Orchesterwerks für ein kleines Ensemble oder in Gestalt eines Klavierauszugs liegt in der Regel ein anderes Motiv zugrunde. Im späten 18. und im 19. Jahrhundert gab es weder städtische Orchester noch Rundfunk oder Tonträger. Um eine Sinfonie, ein Konzert oder ein anderes Orchesterwerk einem breiteren Publikum bekannt zu machen, bedurfte es der Umsetzung in ein Format, das die Aufführung erleichterte. Ein bekanntes Beispiel sind die Harmoniemusiken. So nennt man Bearbeitungen für ein kleines Bläserensemble, einen von Mozart selbst im 2. Akt des Don Giovanni eingesetzten Typus. Es ist anzunehmen, dass auch die zeitgenössischen Arrangements der Haydn-Sinfonie Nr. 94 und von Mozarts Klavierkonzert KV 466 aus dem vorgenannten Grund entstanden sind.

Wolfgang Amadeus Mozart, Klavierkonzert in d-Moll KV 466

Als Mozart im Februar 1785 in Wien bei der Uraufführung seines Klavierkonzerts in d- Moll KV 466 selbst den Solopart übernahm, war neben seinem Vater wohl auch Haydn zugegen. Der spätere Bearbeiter Carl Czerny hingegen hatte das Licht der Welt noch nicht erblickt. Er wurde erst in Mozarts Todesjahr 1791 geboren. Schon in jungen Jahren war Czerny ein brillanter Pianist und wurde Schüler von Beethoven. Bei der ersten Wiener Aufführung von Beethovens 5. Klavierkonzert trat er als Solist auf. Als Komponist ist er insbesondere durch seine Etüdensammlungen, z.B. die bis heute im Klavierunterricht verwendete „Schule der Geläufigkeit“ und die „Kunst der Fingerfertigkeit“, bekannt. Czerny, zu dessen Schülern auch Franz Liszt gehörte, zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Wiener Musiklebens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Mozarts Klavierkonzert KV 466 wurde schon zu seiner Zeit als bahnbrechendes Werk empfunden. Als erstes Konzert des Meisters in einer Moll-Tonart zeichnet es sich durch eine künstlerische Gesamtkonzeption und einen sinfonischen Charakter aus. Mozart überwindet mit diesem Werk die Bindung an die Unterhaltungsideale seiner Zeit und bekennt sich zur Freiheit des individuellen Künstlers. So ist es nicht verwunderlich, dass Beethoven und Brahms Kadenzen für dieses Konzert geschrieben haben. Mozart selbst hat keine Kadenzen für den ersten und dritten Satz hinterlassen.
Auf das düstere Allegro des Kopfsatzes folgt eine Ruhe ausstrahlende Romanze in kleiner Rondoform in B-Dur. Der dynamische und grimmige Schlusssatz (Allegro assai) verweist auf Beethovens 3. Klavierkonzert. In der Besetzung von Czerny fällt auf, dass er an die Stelle der 2. Geige eine zweite Viola setzt und auf diese Weise den düsteren Charakter des Werks unterstreicht. Das Klavier hat in der Bearbeitung nicht nur den Original Solopart sondern zusätzlich einen Teil der Orchester-Tuttistimmen zu übernehmen.

Joseph Haydn, Symphonie mit dem Paukenschlag

Johann Peter Salomon, der Bearbeiter von Haydns Sinfonie „mit dem Paukenschlag“, war Geiger im kurfürstlichen Bonner Hoforchester und Konzertmeister in der Kapelle des Prinzen Heinrich von Preußen in Rheinsberg, ehe er 1781 in England als Musikimpresario Berühmtheit erlangte. Haydn verdankt Salomon neben der englischen Vorlage zum Oratorium „Die Schöpfung“ seine beiden Aufenthalte in London (1791/92 und 1794/95), anlässlich derer er die Londoner Sinfonien (Nr. 93–98 und Nr. 100–104) komponierte. Der Titel der Sinfonie Nr. 94 stammt nicht von Haydn. Er bezieht sich auf den 2. Satz und ist eigentlich irreführend, wird doch der überraschende Fortissimoschlag nicht allein von der Pauke sondern vom gesamten Orchester ausgeführt. Sonst hätte Salomon bei seiner Bearbeitung bestimmt nicht auf die Pauke verzichtet. Treffender ist der englische Titel „Surprise“. Denn Haydn war daran gelegen, das Londoner Publikum mit Neuem zu überraschen, nicht aber – wie kolportiert wird – die Schläfer im Publikum aufzuschrecken. Abgesehen von dieser Neuerung zeichnet sich die Sinfonie durch eine einfache und klare tonale Struktur aus. Von den 4 Sätzen stehen 3 in der Haupttonart G-Dur, selbst die Einleitung zum Kopfsatz und das Trio des Menuetts. Allein für den 2. Satz wählt Haydn die Subdominant- Tonart C-Dur, und nur in diesem Satz gibt es eine längere Moll-Passage. In der Bearbeitung von Salomon fällt dem Klavier die wichtige Aufgabe zu, die fehlenden Bläser stimmen (Oboen, Fagotte, Hörner und Trompeten) sowie Kontrabass und Pauke zu ersetzen.

Johannes Brahms, Klavierquartett op. 26

Das Klavierquartett von Brahms A-Dur op. 26 erklingt in seiner Originalfassung. Dass Brahms hier gleichwohl an die Grenzen der Kammermusik stößt, wird nicht nur an den Dimensionen des Werks, sondern auch daran deutlich, dass Schönberg das nahezu zur gleichen Zeit entstandene Schwesterquartett op. 25 für Orchester bearbeitet hat. Schönberg begründete dies damit, dass er endlich einmal alles hörbar machen wollte, was in der Partitur steht und was durch den dominierenden Klavierpart zugedeckt wird. Zwar wird das Quartett op. 26 von einem heiteren Grundton geprägt, ohne dramatische Konflikte wie op. 25. Das Werk ist aber nicht weniger anspruchsvoll. Hinter vordergründiger Klarheit und klassischer Satzfolge verbirgt sich eine höchst subtile motivische Arbeitsweise.
Der Kopfsatz (Allegro non troppo) trägt die Hauptlast der thematischen Arbeit. Der langsame Satz (Poco adagio) bildet den emotionalen Schwerpunkt. Brahms beschließt ihn mit einer Anspielung auf das von Schubert vertonte Gedicht von Heine „Die Stadt“, dessen letzte Strophe lautet:

„Die Sonne hebt sich noch einmal
Leuchtend vom Boden empor
Und zeigt mir jene Stelle,
Wo ich das Liebste verlor.“

Das Scherzo hat den Charakter eines Intermezzo und das Finale ist ungarisch-zigeunerisch geprägt, entspricht aber mit einer anspruchsvollen Sonatenform dem Gewicht des Kopfsatzes. Dem Urteil, dass es kaum einen anderen Satz von Brahms gibt, in dem thematische und formale Komplexität, motivische Entwicklung und Variation so vollkommen auf die Ebene des vital-heiteren Spiels übertragen werden wie in diesem hinreißenden Finale, dürfte kaum zu widersprechen sein.


Haydn Ensemble Wiesbaden

Das Haydn Ensemble Wiesbaden 2005 bildete sich innerhalb der Kammermusikalischen Vereinigung des Hessischen Staatsorchesters das Haydn Ensemble, das sich vor allem der selten gespielten Kammermusik von Joseph Haydn widmet. Die Musiker des Ensembles sind:

Erika Le Roux, Klavier: Nach dem Studium in Johannesburg/Südafrika Preisträgerin der internationalen Klavierwettbewerbe in Pretoria (1982) und Montevideo (1982). 1992 gewann sie den Grand Prix de la Ville de Dakar der UNESCO und war Finalistin beim ARD-Wettbewerb in München in der Kategorie Klavier-Duo. Seit 1994 Solo- und Kammermusiktätigkeit in Europa, u.a.beim Schleswig-Holstein Musikfestival, beim Rheingau Musikfestival, der Villa Musica und mit der Kammermusikvereinigung des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden.

Thomas Richter, Flöte: Studium an der Musikhochschule München bei Walther Theurer und Paul Meisen, seit 1984 Mitglied im Hessischen Staatsorchester Wiesbaden. 1991 und 1996 Preisträger beim Kammermusikwettbewerb der National Flute Association in Kansas City und NewYork. Engagements bei den Bayreuther Festspielen und der Staatskapelle Berlin.

Karl-Heinz Schultz, Violine: Klavierstudium in Stuttgart bei Konrad Richter, anschließend Violinstudium in Karlsruhe bei Ulf Hölscher. Seit 1995 1.Konzertmeister des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden.

Svantje Wolf, Violine: Studium an der Musikhochschule in Würzburg bei Herwig Zack, Preisträgerin beim Wettbewerb der Theodor-Rogler-Stiftung, seit 2004 Mitglied im Hessischen Staatsorchester Wiesbaden.

Thomas Hoffmann, Viola: Studium an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig bei Klaus Schwencke, seit 1990 Solobratschist im Hessischen Staatsorchester Wiesbaden.

Pamela Kremer, Viola: Studium an den Hochschulen Stuttgart und Frankfurt sowie am Mozarteum Salzburg u.a.bei Roland Glassl und dem Melos- Quartett, seit 2007 Mitglied des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden.

Philipp Schweikhard, Violoncello: Studium bei Jan Polasek in München, Michael Sanderling in Frankfurt und Martin Ostertag in Karlsruhe. Stipendiat der Stiftung Villa Musica und der Zukunfts - initiative Rheinland Pfalz. Solocellist beim Amati-Ensemble München und stellvertretender Solocellist der Badischen Staatskapelle Karlsruhe, seit 2008 Solocellist im Philharmonischen Staatsorchester Mainz