Aktuelle Saison Archiv Über uns Kontakt Konzertsaal Bestellungen Impressum Datenschutz

3.10.2013

8.10.2013

29.10.2013

12.11.2013

21.1.2014

18.2.2014

25.3.2014


 
Erstes Konzert
Nr. 1211 der Gesamtreihe


Junge Elite
Dienstag, 8.10.2013, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

 

Elias String Quartet

Sara Bitlloch, Violine
Donald Grant, Violine
Martin Saving, Viola
Marie Bitlloch, Violoncello
 
Joseph Haydn
(1732–1809)
Streichquartett Es-Dur Hoboken III op. 64/6
Allegro
Andante
Menuetto. Allegretto – Trio
Finale. Presto
 
Benjamin Britten
(1913 - 1976)
Streichquartett Nr. 3 op. 94
Duets – With moderate movement
Ostinato – Very fast
Solo – Very calm
Burlesque – Fast, con fuoco
Recitative and Passacaglia (La serenissima)
Ludwig van Beethoven
(1770–1827)
Streichquartett e-Moll op. 59/ 2
Allegro
Molto adagio (Si tratta questo pezzo con molto di sentimento)
Allegretto – Maggiore, Thème russe
Finale. Presto



 

Komponisten und Werke

Haydn schrieb seine 6 Streichquartette op. 64 (Hob. III, 63-68) im Jahr 1790, d.h. kurz vor seiner ersten Englandreise und vermutlich schon mit Blick auf die Londoner Konzerte. Sie sind dem Geiger der Eszterházy-Kapelle, Johann Tost gewidmet, dem Haydn bereits seine Streichquartette op. 54 und 55 anvertraut hatte. Das dürfte auch die privilegierte Rolle der 1.Violine in diesen Quartetten erklären.
Den Kopfsatz des 6. Quartetts op. 64 (in der ursprünglichen Reihenfolge die Nr.5) bestimmt ein gesangliches Thema, das in einer kontrapunktisch angereicherten Variation zugleich das Seitenthema ersetzt. Beide Themenpräsentationen laufen in kadenzartigen Soli der 1. Violine aus. In der Durchführung sind die kunstvolle Entfaltung der kontrapunktischen Möglichkeiten des Themas und die chromatische Steigerung hin zur Reprise besonders hervorzuheben.

Der langsame Satz ist ein Andante in 3-teiliger Liedform, in dessen Mittelteil in b-Moll die latent unruhige Stimmung sich in pathetischen Passagen der 1.Geige über dem Tremolo der anderen Streicher entlädt.
Ohne seinen Tanzcharakter zu verleugnen, zeichnet sich das Menuett durch motivische und kontrapunktische Raffinesse aus. Das Trio formt aus demselben Themenmaterial einen im Charakter ganz anderen, eher biederen Tanzsatz, in dem in den letzten Takten des zweiten Teils die 1. Violine in höchsten Tönen den Kontrapunkt setzt.
Das Finale ist ein turbulentes Rondo in Sonatensatzform, in dessen Durchführungsabschnitten Haydn schweres kontrapunktisches und harmonisches Geschütz auffährt, dem auch die Reprise weitgehend zum Opfer fällt. Der Schluss stellt eindrücklich unter Beweis, wie es dem großen Innovator Haydn gelingt, den Finaletypus seiner Zeit immer wieder neu und zugleich witzig und temperamentvoll zu gestalten.

Benjamin Britten, der wohl herausragende englische Komponist des 20. Jahrhunderts, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, ist bei uns mehr durch seine Opern, sein War Requiem und seine Vokal- und Orchesterwerke bekannt als durch seine Kammermusik. Schon in frühester Jugend komponierte er neben Klaviermusik auch 6 Streichquartette, vermutlich angeregt durch den Viola-Unterricht bei einer Freundin der Mutter und die Bekanntschaft mit dem Bratscher und Komponisten Frank Bridge. Ein 1931 begonnenes Streichquartett in D überarbeitete er viele Jahre später (1974) als Rekonvaleszenzübung nach einer Herzoperation. Kurz nach Beendigung seiner Studien am Royal College of Music wurden seine 3 Divertimenti für Streichquartett erstmals aufgeführt.
Das 3. Streichquartett entstand 1975, d.h. 30 Jahre nach Erscheinen des 2. Quartetts und im Jahr vor Brittens Tod. Es verwendet im Finalsatz Themen aus seiner letzten Oper „Death in Venice“ und ist dem Musikwissenschaftler Hans Keller gewidmet, der ihn zu diesem Werk ermuntert hatte. Britten, nach einem leichten Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt, schrieb das Quartett weitgehend in Venedig, dessen Zauber und Atmosphäre ihn in gleicher Weise anzogen wie den Schriftsteller Gustav von Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig“, die auch dem Opernlibretto zugrunde liegt.

In dem 5-sätzigen Quartett hat der mit „La Serenissima“ (es ist dies die einstige ruhmreiche Bezeichnung der Republik Venedig) überschriebene Schlusssatz das größte Gewicht. Britten wählt dafür die Form der Passacaglia, die gekennzeichnet ist durch eine sich ständig wiederholende Basslinie. Bereits in seinem 2. Quartett, einer Huldigung an Purcell und dessen Liebe zur Chaconne, hatte sich Britten für eine ähnliche Form im Finalsatz entschieden. Auffallend ist, dass der Komponist trotz der vielfältigen italienischen Bezüge englische Begriffe zur Angabe der Dynamik und Tempi verwendet wie „smooth and calm“, „agitated“, „very marked“ und dass anders als bei Haydn und Beethoven der Kontrapunkt weniger prägnant ausgearbeitet ist. Man spürt den starken Einfluss des englischen Madrigals auf seine Tonsprache, die sich trotz der Verwendung zeitgenössischer Techniken im Großen und Ganzen als eher konservativ charakterisieren lässt.

2 Wochen nach Brittens Tod wurde sein Streichquartett Nr. 3 op. 94 vom Amadeus Quartett, an dessen Wiesbadener Auftreten sich mancher unter uns dankbar erinnern wird, erstmals öffentlich aufgeführt.

Nach den 6 Streichquartetten op. 18 beschäftigte sich Beethoven sieben Jahre lang nicht mit dieser Gattung. Erst dem Kompositionsauftrag des russischen Botschafters am Wiener Hof, des Grafen Andrej Rasumowsky, für 3 Streichquartette verdanken wir die 1805/6 entstandenen Rasumowsky-Quartette op. 59, die ersten drei von Beethovens sog. mittleren Streichquartetten. Neu an diesen Quartetten sind der deutlich gewachsene Umfang, die Ausweitung des Klangraumes auch in extreme Lagen, verbunden mit gesteigerten technischen
Anforderungen an die Spieler, insbesondere an den Primgeiger. In dem eigenen Ensemble des Grafen Rasumowsky übernahm diesen Part der bekannte Geiger Ignaz Schuppanzigh.
Man könnte bei der ersten Begegnung mit dem Quartett op.59 Nr.2 und dem Vergleich mit dem Schwesterwerk Nr. 1 den Eindruck gewinnen, es sei konventionellerer Natur. Doch trügt der äußere Schein traditionsnäherer Einzelsätze. Die Tonsprache ist mindestens so radikal und kompromisslos. So liegen, anders als es die 6/8 Taktvorgabe für den 1.Satz erwarten lässt, über diesem Sonatensatz Schatten von Missmut und innerer Zerrissenheit. Um die formale Balance dieses ungemein dichten Satzes zu wahren, sieht Beethoven eine Wiederholung nicht nur der Exposition sondern auch von Durchführung und Reprise vor. Doch halten sich die Interpreten meist nicht daran und gehen unter Auslassung einiger Takte unmittelbar zur Coda über.

Viel Herzblut steckt im molto adagio überschriebenen 2. Satz in E-Dur, und viel Gefühl (con molto di sentimento) fordert Beethoven hier auch seinen Interpreten ab. Dieser Satz mutet zunächst wie ein lichtes Gegenstück zum eher düsteren Kopfsatz an. Doch nach wenigen Takten scheint nicht diesseitige Heiterkeit sondern eine in sich gekehrte fast religiöse Stimmung auf. Das Hauptthema klingt wie ein Choral. Ihm werden im weiteren Verlauf polyphone Gegenstimmen und rhythmische Kontrapunkte beigefügt.
Der schwungvolle 3.Satz, der aber nicht die Bezeichnung Scherzo trägt, ist 5-teilig aufgebaut mit zweimaliger Wiederkehr des Trios. In diesem erscheint, als Hommage an den Auftraggeber und Widmungsträger Rasumowsky, die russische Krönungsweise, die unseren Abonnenten erst jüngst bei unserem Jubiläumskonzert im letzten Satz des Quartetts von Arensky begegnet ist. Beethoven gibt diesem schlichten, folkloristisch getönten Liedthema einen triolenbewegten Kontrapunkt bei und baut es zu einer meisterlichen Fuge aus.
Das Finale ist ein von einem wilden rhythmischen Impuls getriebenes Rondo. Sein stampfender Tanzrhythmus erinnert an das Finale der 7. Sinfonie, die etwa zur gleichen Zeit entstand. Lediglich ein verhalteneres Gegenthema stellt sich zeitweise dem ostinaten Rhythmus entgegen. Dieser triumphiert aber entfesselt in der Steigerung des Presto. Gerade dieser Satz stellt höchste Ansprüche an die Virtuosität, nicht allein eines jeden einzelnen Instrumentalisten sondern vor allem auch im Zusammenspiel der 4 Partner.

 

Elias String Quartet

Die Mitglieder des in England ansässigen Elias String Quartets stammen aus Frankreich, Schottland und Schweden und fanden sich 1998 am Royal Northern College of Music in Manchester als Quartett zusammen. Zu den Mentoren des Quartetts zählen Christopher Rowland, das Alban Berg Quartett sowie Mitglieder der Amadeus, Endellion und Vermeer Quartette, Hugh Maguire, György Kurtág, Gábor Takács-Nagy, Henri Dutilleux, Paul Katz, Rainer Schmidt, Kim Kashkashian und Milan Skampa.

2003 wurde das Elias String Quartet (damals noch unter dem Namen Johnston String Quartet) beim Internationalen Streichquartett- Wettbewerb in London mit dem zweiten Preis und dem Sidney Griller Preis ausgezeichnet, zwei Jahre später war es Finalist beim Borciani Wettbewerb.

Das Quartett ist bei vielen Veranstaltern und Festivals in Großbritannien zu Gast, darunter die Londoner Wigmore Hall und die BBC Proms, sowie regelmäßig auf Tournee in Frankreich, Deutschland, Schweden, Österreich, Italien, Australien und den USA. Es spielte in der Stockholm Concert Hall, dem Auditorium du Louvre, der Carnegie Hall, der Library of Congress in Washington, dem Wiener Musikverein und dem Concertgebouw Amsterdam, beim Heidelberger Frühling und u.a. im Berliner Konzerthaus und beim Bayerischen Rundfunk in München.

Das Elias String Quartet hat mit Andrew Marriner, Ralph Kirshbaum, Joan Rogers, Mark Padmore, Roger Vignoles, Michel Dalberto, Peter Cropper, Bernard Gregor-Smith, Robin Ireland, Adrian Brendel, Anthony Marwood und mit den Endellion, Navarra und Vertavo Quartetten zusammengearbeitet. 2005 wurde es als Teil des Ensembles 360 zum Residenz- Quartett von Sheffields „Music in the Round“.

2011 begann das Quartett einen Beethoven-Zyklus, der 2015 vollendet sein wird und den die Musiker zusammen mit Unterstützung der Borletti-Buitoni-Stiftung, deren Preis sie 2010 erhalten haben, realisieren.

Unter den zahlreichen bisher veröffentlichten CDs des Elias String Quartets finden sich Aufnahmen wie transkribierte Bach-Konzerte für Streichquartett und Gitarre mit Xuefei Yang, Mendelssohn-Quartette, französische Harfenmusik mit Sandrine Chatron, ein Klavierquintett von Alexander Goehrsowie Quartette von Britten, Haydn und Schumann. Das Elias Quartett wurde kürzlich in das BBC Radio 3’s New Generation Artists Scheme aufgenommen.